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Titelbild: Mummenschanz mit Hintersinn: Noch leert Mario Borazio aus San Nicandro für die Deutsche Bundespost die Briefkästen. Doch immer mehr füllen sich die Säle, wenn Mario und seine Kollegen vom Teatro Siciliano in Frankfurt auftreten. Fünf von ihnen wollen aus dem Spaß nun einen Beruf machen: Gastierende Gastarbeiter
Original Inhaltsbeschreibung:
Von Nachtwächtern im Verkehr oder Wer hupt, der fährt!
Selbst wenn er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, hupen kann Jeder. Und Hupen hilft immer, zumindest dem, der hupt. Für die automobile Gesellschaft ist die Hupe das Aggressionsventil schlechthin. Ein Antippen des Knöpfchens genügt, und Oberschwingungen hohen Schalldrucks geben innerhalb eines engen Frequenzbereichs weithin zu verstehen, daß da einer sich im Recht fühlt und sein Recht auch verlangt. Dabei stand das Ventilhorn dieser Erfindung gar nicht Pate. Das aufeinander abgestimmte System von Schwing Celler, Membran und Ankerplatte, das zur akustischen Warnung gefährdeter Verkehrsteilnehmer gedacht war, wurde dem Nacht-Wächter abgeschaut, der in sein Horn stieß. Was auch die verkehrsflußfördernde Ermunterung „Sie Nachtwächter!" erklärt.
Die Hupe ist älter als das Auto, dem sie achtunggebietend den Weg freimacht. Im Leipziger Tageblatt vom 11. Juni 1872 findet sich die erste Notiz, „daß es zweckmäßiger wäre, als Signal für, das Ausweichen eine sogenannte Hupe einzuführen, wie man sie bei Feuerwehren und auf manchen Bahnen bei den Bahnwärtern zum Signalgeben benutzt". Auszuweichen war damals noch der Pferdebahn. Irgendwann im Lauf der Entwicklung muß die Sache mit der drohenden Gefahr dann mißverstanden worden sein. Denn wenn heute ein Aufschlaghorn wütend bellt, wenn Elektro- oder Kompressorfanfaren die Straße leerzujaulen suchen, dann gibt es keinen Zweifel, wer da in Wahrheit droht.
Wieviel sympathischer wirkt Gustav mit der Hupe, einer der fixen Berliner Jungen, denen Erich Kästner in seinem Roman „Emil und die Detektive" literarisch ein Denkmal setzte. Gustav hatte seine Hupe stets als Erkennungssignal dabei; mittels Druck aufs Gummibällchen brachte er erst die Luftsäule des Trichters zum Schwingen und danach sich selbst auf Trab. Ein Erkennungssignal soll auch unsere Fanfare blasen: für Rainer Buchmann, einen fixen Frankfurter, der auf den Trichter gekommen. ist, wie man Autos noch begehrenswerter macht.
Hans-Dieter Seidel
Heft Nr. 108 / vom 26 März 1982
Seitenanzahl: 39 Seite
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